One Stop Shop: alles aus einer Hand

30.03.2026, 09:00

Wie der Südtiroler Sanitätsbetrieb gezielt Fachkräfte für sich gewinnen möchte.

Recruiting – von großer Wichtigkeit für den Südtiroler Sanitätsbetrieb (Foto: 123rf)
Recruiting – von großer Wichtigkeit für den Südtiroler Sanitätsbetrieb (Foto: 123rf)

In einem Gesundheitssystem, das in organisatorischer, rechtlicher und fachlicher Hinsicht zunehmend komplexer wird, ist Personalrekrutierung mehr als eine reine Verwaltungstätigkeit. Sie ist ein strategischer Hebel, der die Versorgungsqualität, die Kontinuität der Dienste sowie die Fähigkeit, zeitnah auf die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren, beeinflusst. Internationale Mobilität, der Mangel an bestimmten Schlüsselberufen und der Wettbewerb zwischen verschiedenen Systemen machen den Zugang zu den Gesundheitsberufen heute alles andere als einfach. Vor diesem komplexen Hintergrund gibt das Amt für Recruiting und Engagement des Personals im Südtiroler Sanitätsbetrieb Orientierungshilfen: es begleitet, erklärt und beschleunigt die Prozesse. 

Der Mehrwert des Recruitings liegt darin, Kandidatinnen und Kandidaten durch den gesamten Anstellungsprozess zu begleiten, Unsicherheiten und Wartezeiten zu reduzieren und wichtige Entscheidungen zu erleichtern. Wer sich für eine Mitarbeit im Südtiroler Sanitätsbetrieb bewirbt, muss Auswahlverfahren bestehen, sprachliche Voraussetzungen erfüllen, wird mit unterschiedlichen Verträgen, Regeln zur Anerkennung der Qualifikationen sowie steuerlichen und organisatorischen Aspekten, die nicht immer selbsterklärend sind, konfrontiert. Das Amt für Recruiting fungiert als Vermittler in diesem System: Es macht frühzeitig mögliche Hürden aus, liefert verlässliche Antworten und baut eine auf Vertrauen basierende Beziehung auf – ein entscheidender Faktor, um neue Talente zu gewinnen und langfristig zu binden.

Der Direktor der Abteilung Personalentwicklung Martin Matscher beschreibt in diesem Zusammenhang eine wichtige Neuerung: „Die Funktion des neuen Konzepts, das wir ‚One Stop Shop‘ nennen, besteht darin, alle entscheidenden Informationen und Schritte, die eine an der Anstellung interessierte Fachkraft bewältigen muss, an einem einzigen Ort zu bündeln: Von der Anerkennung ausländischer Abschlüsse, der Genehmigung zur vorübergehenden Berufsausübung, der Eintragung in die Berufskammer, der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung bis hin zu praktischen Themen wie Verträgen, Entlohnung, medizinischer Spezialisierung, Lehre und Forschung, Wohnmöglichkeiten und Kinderbetreuung. Wir bieten zudem Orientierung zu Fachausbildungen, Lehr- und Forschungstätigkeit im Betrieb, Möglichkeiten für den Erwerb der Zweisprachigkeit sowie steuerliche Begünstigungen für Rückkehrende. Das Ziel ist ein Zweifaches: die Rekrutierung zu vereinfachen und zu beschleunigen und zugleich Vertrauen aufzubauen, um unseren Ruf als seriöser, strukturierter Arbeitgeber zu stärken.“  

Der „One Stop Shop“ ist vom Prinzip her kein eigenes Büro, man arbeitet bereichsübergreifend, eine einzige Bezugsperson, die Interessierte vom ersten Kontakt bis zur formalen Bewerbung begleitet und dabei die zuständigen Stellen rechtzeitig einbindet. Dieser Ansatz reduziert die Zersplitterung in Mikroprozesse und sorgt für ein stimmiges Ganzes. Konkret bedeutet das: häufige Fehler vermeiden (zum Beispiel ein falscher Klick, der in die interne Datenbank, aber nicht in die Rangliste führt), an Fristen und persönliche Gespräche erinnern, Dokumente und Voraussetzungen klären und auf realistische Alternativen hinweisen, wenn das Profil nicht zum gewünschten Tätigkeitsbereich passt.
Das Amt für Recruiting koordiniert die Informationen an jenen Punkten, die eine Einstellung verzögern können. Die Zugriffsdaten auf veröffentlichte Ausschreibungen untermauern den Bedarf an Begleitung, denn trotz breitem Interesse führt nur ein Teil der Aufrufe zu vollständigen Bewerbungen. Der gesamte Prozess vom ersten Interesse bis zur Handlung erfordert zeitnahe Unterstützung, klare Botschaften und eindeutige operative Anweisungen.

Auf der Beziehungsebene ist der erste Kontakt entscheidend. Bei komplexen Berufsprofilen, wie Ärztinnen und Ärzten oder Pflegefachkräften mit ausländischer Ausbildung, setzt das Recruiting auf den direkten Austausch über Telefon oder Videocall, um Voraussetzungen, Fristen, Termine und Formulare sofort zu klären. Ein rechtzeitiges Eingreifen verhindert monatelange Verzögerungen, etwa bei der Erlangung des Sprachzertifikats oder der Einleitung des Anerkennungsverfahrens, und ermöglicht eine realistische Planung der weiteren Schritte. Stimmen Erwartungen und Anforderungen nicht überein, verweist der „One Stop Shop“ auf Alternativen statt abzulehnen, und bewahrt damit Motivation und Zeitressourcen.

Die Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf Bewerberinnen und Bewerber, die aktiv auf Ausschreibungen reagieren. Bei dringendem Personalbedarf führt das Team gezielte Recherchen in der internen Datenbank durch und – wenn nötig – auf speziellen Plattformen des Südtiroler Sanitätsbetriebes wie „Onboard“. Potenziell geeignete Personen werden mit personalisierten Nachrichten kontaktiert, über Anforderungen sowie Bewerbungswege informiert und sie erhalten nützliche Hinweise.

Parallel dazu erfolgt Employer Branding durch klare, konsistente und überprüfbare Inhalte, sei es durch Präsenz auf Messen, bei Universitätsveranstaltungen und in den Social-Media-Kanälen des Amtes für Recruiting – LinkedIn, Facebook und Instagram. So werden Erwartungen und organisatorische Realität besser aufeinander abgestimmt, wodurch Bewerbungen passgenau ausfallen. All dies erfordert kontinuierliche interne Abstimmung: Das Amt für Recruiting und Engagement des Personals, die Abteilung Personalverwaltung, das Amt für Wettbewerbe sowie die Abteilungen und Bezirksdirektionen arbeiten eng zusammen, um dieses wichtige Ziel zu erreichen.

Martin Matscher fasst den Ansatz so zusammen: „Der ‚One Stop Shop‘ macht den Aufnahmeprozess verständlicher, beschleunigt entscheidende Phasen und stärkt die Verbindung zwischen Fachkräften und Sanitätsbetrieb. Unser Ziel ist es, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen bereits beim ersten Kontakt eine klare und verlässliche Information zu bieten.“

Der Recruiting Alltag zeigt, wie wertvoll dieses Modell ist: Hinter jeder erfolgreich abgeschlossenen Bewerbung steht oft ein kritischer Moment, der ohne gezielte Unterstützung leicht zum Stolperstein hätte werden können.

Francesco Vendemia/Übersetzung: Vera Schindler