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Palliative Care
Die WHO (World Health Organisation) und die EAPC (European Association for Palliative Care) haben 2002 Palliative Care wie folgt definiert: „Palliative Care ist ein Ansatz, der die Lebensqualität von Patienten und ihren Familien verbessert, die sich mit Problemen konfrontiert sehen, wie sie mit lebensbedrohlichen Erkrankungen verbunden sind. Dies geschieht durch die Verhütung und Erleichterung von Leidenszuständen, indem Schmerzen und andere Probleme (seien sie körperlicher, psychosozialer oder spiritueller Art) frühzeitig entdeckt und exakt eingeordnet werden.“
Für welche PatientInnen?
Zielgruppe der Palliativversorgung sind PatientInnen mit einer progredienten Krankheit in weit fortgeschrittenem Stadium, mit unaufhaltsamer Entwicklung und infauster Prognose, bei der eine auf Heilung oder Stabilisierung ausgerichtete Therapie weder möglich noch angemessen ist. Das Hauptaugenmerk ist auf PatientInnen gerichtet, bei denen die Krankheit mit chronischen oder sehr starken Schmerzen bzw. anderen belastenden Symptomen verbunden ist. Normalerweise hat die Krankheit ein Stadium erreicht, wo ausschließlich Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität von grundlegender Wichtigkeit sind.
Auswahlkriterien
Die heutzutage erforderlichen Auswahlkriterien zur Definition der terminalen Lebensphase von PatientInnen und zur Aufnahme in ein Palliative Care-Programm sind folgende:
- Diagnostisches Kriterium: Vorliegen einer Neoplasie oder einer anderen unheilbaren Erkrankung in weit fortgeschrittenem Stadium. Die Diagnose einer chronischen unheilbaren Erkrankung muss von einem erfahrenen Arzt gestellt werden.
- Therapeutisches Kriterium: Fehlen oder Ausschöpfung aller spezifisch kurativen Maßnahmen zur Beeinflussung der Erkrankung.
- Prognostisches Kriterium: Bevorstehen des Todes, d. h. eingeschätzte Lebenserwartung aufgrund validierter wissenschaftlicher Kriterien, der Erfahrung und des Wissens der Behandelnden von unter 6 Monaten.
- Funktionales oder symptomatisches Kriterium: Vorliegen von Symptomen, welche die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken; Karnofsky-Index ≤50%. Die Schwierigkeit, die Lebenserwartung von PatientInnen - vor allem bei Nicht- Tumorerkrankungen - genau einzuschätzen, hat zur Suche und zum Vorschlag anderer zusätzlicher Kriterien geführt.
- Grundlegend ist die Einwilligung des Patienten / der Patientin und die Respektierung seines / ihres Willens. Um das Angebot palliativer Betreuung verstehen und akzeptieren zu können, muss der Patient / die Patientin unter Beachtung seiner / ihrer Autonomie und des Rechtes auf Aufklärung über seine / ihre unheilbare Krankheit und das nahe Lebensende aufgeklärt werden.
- Auch die Zustimmung der Familie ist von grundlegender Wichtigkeit. Sie muss bereits im Vorhinein über die Möglichkeit schneller und unerwarteter Verschlechterungen ihres/r Angehörigen informiert werden, ebenso auch über die Möglichkeit einer palliativen Sedierung bei mit üblichen Therapiemethoden nicht kontrollierbaren Symptomen.
- Da in der Praxis das Kriterium Zeit vor allem bei nicht onkologischen PatientInnen schwierig anzuwenden ist, kann es für das Gesundheitspersonal nützlich sein, sich die so genannte „Überraschungsfrage" zu stellen: „Würden sie sich wundern, wenn der Patient / die Patientin aufgrund seines / ihres Krankheitsbildes innerhalb sechs Monaten versterben würde?“ Wenn die Antwort „nein“ lautet, ist der / die Kranke ein/e gute/r Kandidat/in für Palliative Care.
Die Aufnahme in die Palliativ-Betreuung sollte, außer in von den Verantwortlichen des Dienstes begründeten Ausnahmefällen, nicht in der Präterminal- oder Terminalphase des Krankheitsverlaufes erfolgen.